Thomas Ehrlichmann als Billy (Foto: Landestehater Detmold/Björn Klein)

Bienen im Kopf

Billy ist fast 11 Jahre alt und hat ADHS, das steht für „Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung“. Das heißt, Billy hat Schwierigkeiten, in der Schule alles mitzubekommen. Zu faszinierend sind die Eindrücke um ihn herum: Der Schmetterling auf der Fensterbank, das rote Haargummi der Mitschülerin und der Gedanke an den Bienenstock seines Vaters, der seit einiger Zeit nicht mehr zuhause wohnt. Billys Mama sagt, er sei ganz weit weggezogen und hätte deshalb keine Zeit mehr für ihn. Also hat Billy beschlossen, sich in der Zwischenzeit um die Bienen des Vaters zu kümmern – denn zu den Bienen hat Billy eine ganz besondere Beziehung…

Wir haben bei Thomas Ehrlichmann, der den Billy spielt, nachgefragt, wie er sich auf den Monolog vorbereitet:

Wie hast du dich auf die Rolle vorbereitet?

Ich habe das Stück gelesen und überlegt: Was macht den Charakter meiner Figur aus? Billy hat ADHS – also habe ich angefangen zu recherchieren. Da findet man jede Menge, denn ADHS ist eine recht kontrovers diskutierte Krankheit. Ich habe Reportagen und Dokumentationen gesehen, Erfahrungsberichte gelesen und viel im Internet recherchiert. Außerdem besuchen wir eine AD(H)S-Selbsthilfegruppe in Bielefeld, um dort hoffentlich viele interessante Eindrücke zu bekommen. Ein großer Anteil der Vorbereitung ist das reine Beobachten: Ich will einen Eindruck davon bekommen, wie sich die Krankheit sowohl körperlich als auch in der Mimik und Ausdrucksweise äußern kann. Das ist mein Pool, aus dem ich dann während der Proben schöpfen kann.

Was sind interessante spielerische Aspekte, wenn eine Krankheit die Figur beeinflusst?

Das Denken und seine physische Auswirkung! Wenn man ADHS hat, dann nimmt man viele Situationen ganz anders wahr. Es beschäftigt mich sehr, wie ich das nachvollziehbar umsetzen kann, denn eigentlich geht die Entwicklung von Billys Figur gegen alles, was man in der Schauspielschule gelernt hat: Aus der Ruhe in eine kontrollierte Bewegung kommen. ADHS ist das Gegenteil von „Kontrolle“ – das macht besonders die Entwicklung einer authentischen Körperlichkeit sehr spannend, ist aber gar nicht so leicht!

Thomas Ehrlichmann als Billy (Foto: Landestehater Detmold/Björn Klein)

Thomas Ehrlichmann als Billy (Foto: Landestehater Detmold/Björn Klein)

Berührt dich die Figur persönlich?

Die Figur berührt mich schon sehr, wenn ich daran denke, dass ein normales soziales Leben schlichtweg unmöglich wird durch ADHS. Und deshalb ist es mir wichtig, nicht nur den kranken Billy kennenzulernen, sondern auch seinen Charakter – fern von ADHS und Pillen. Ganz besonders toll finde ich, dass Billy nie seine Herzlichkeit verliert und einen sehr spielerischen Umgang mit der Krankheit entwickelt. Es gibt tatsächlich Stellen im Text, an denen ich schon oft grinsen musste und überlegt habe, ob ich nicht selbst manchmal ein Kandidat für ADHS wäre…

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