Ein Tag als … FSJlerin

Wie es ist an einem Theater zu arbeiten? In „Ein Tag als …“ präsentieren euch Kolleg_innen aus den unterschiedlichsten Abteilungen einen mehr oder weniger typischen Arbeitstag. Heute: Ricarda Pompe, FSJlerin in der Dramaturgie/Öffentlichkeitsarbeit.

Es ist 9:30 Uhr. Ich sitze in der Leopold-Lounge. Es wird gerade in einem ernsten Ton über die Daten von „Fresse“ gesprochen (ein Kürzel des Jugendtheaterstücks „Eins auf die Fresse!“). Solche Regiesitzungen sind immer kurz und knackig. Wenn sich alle gesetzt haben, geht es sofort los: Woche für Woche wird chronologisch durchgesprochen und es wird eifrig mitgeschrieben. Ich habe das Gefühl, wir haben uns erst vor wenigen Minuten gesetzt. Doch schon stehen alle wieder auf. Die Sitzung ist beendet.

Es ist 9:45. Ich laufe durch die Gänge des Theaters. Nach einem halben Jahr verlaufe ich mich so gut wie nicht mehr. Gelegentlich passiert es mir dann aber doch, dass ich eine Treppe oder einen Gang zu weit laufe oder eine falsche Tür öffne. Die Überraschung ist groß, aber auch die Freude, einen neuen Flecken im Theater entdeckt zu haben. Ich muss zum Grabbe-Haus, um dort die Probe für „Der Heiler“ vorzubereiten. Aber vorher hole ich noch das Megaphone bei der Requisite ab. Auf dem Weg werde ich von Passanten etwas schräg beäugt. Kein Wunder, wenn man mit einem Megaphone in der Hand durch die Innenstadt läuft.

Ricardas Beitrag

Vor dem Grabbe-Haus wartet schon Christian, der Hospitant. Ich schließe auf, mache das Licht an… und wieder aus. Das war der falsche Schalter. Der erste Gang führt zur Kaffeemaschine im Keller. Gebannt schauen Christian und ich auf das Gerät. Läuft. Verführt vom sich ausbreitenden Duft des frisch gemahlenen Kaffees, probiere ich einen Schluck. Nein, ich bleibe dabei: Kaffee riecht gut, aber schmeckt mir einfach nicht. Christian stimmt mir zu, ihm geht’s genauso.

coffeeshock

Es ist 10:30 Uhr. Die Proben beginnen. Ein konzentrierter Durchlauf. Danach kommt die Kritik von der Regisseurin Jessica. Während Jessica und Joachim ihren Kaffee trinken, bleibe ich lieber beim Wasser. Die Probe geht vorbei wie im Flug.

13 Uhr: Auf dem Rückweg zum Theater unterhalten Christian und ich uns darüber, welche Sätze uns heute nicht aus dem Kopf gehen wollen. Wie ein Ohrwurm schwirren sie uns tagelang durch den Kopf. Zitate murmelnd, laufen wir entlang des Schlossteichs. Unser Gedankenkreisel wird unterbrochen von einer Horde Kollegen. Mit Sonnenbrillen bewaffnet kommen sie uns entgegen. Sie wollen zum Mittagessen, wir schließen uns ihnen an. Marie, die Dramaturgieassistentin, hat einen Beutel voller Flyer mitgenommen. Sie schlägt vor, die Mittagspause sinnvoll zu nutzen, um Werbung für das nächste Stück in den Detmolder Lokalitäten zu verteilen.

14 Uhr: Wir sind fertig mit Mittagessen und sind wieder Zuhause, ähh, in der Dramaturgie angelangt. Ich suche mir einen freien Computer und arbeite nochmal an der neuen „Probendispo“, fange an Kürzungen im Skript zu übernehmen, welche sich in den Proben ergeben haben, arbeite dies und das und bin mal hier mal dort, um zum etwas mit der Requisite zu besprechen, um Ausgedrucktes aus dem Kopierer zu holen oder oder oder …

Es ist 17 Uhr. Zeit, die Abendprobe im Grabbe-Haus vorzubereiten. Licht an… falsch, Licht wieder aus… anderes an, Soundcheck und die letzte Probe des Tages kann beginnen.

Star trek OS Cechov Jump

Es ist 20:00 Uhr. Christian und ich räumen auf. Feierabend. „Bis Morgen! 10 Uhr?“ „Morgen 10 Uhr!“

 

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